Was ist deine Realität?
- Mst. Thomas Schwabl

- 11. Juni
- 6 Min. Lesezeit

Wenn wir heute das Handy einschalten, die Nachrichten öffnen oder durch soziale Medien scrollen, könnte man schnell glauben, die Welt steht kurz vor dem Zusammenbruch.
Krisen. Kriege. Katastrophen. Probleme.
Und obwohl die meisten von uns gerade sicher zuhause sitzen, beeinflussen uns diese Informationen oft emotional so stark, als würden wir selbst mitten darin stehen.
Viele Menschen verbringen täglich Stunden damit, Probleme zu konsumieren, die sie weder beeinflussen noch lösen können.
Und genau darin liegt eine Gefahr.
Nicht die Information selbst.
Sondern was sie mit uns macht.
Denn jede Information, die wir aufnehmen, beeinflusst unsere Gedanken, unsere Gefühle und letztendlich unsere Wahrnehmung der Realität.
Versteh mich nicht falsch.
Ich sage nicht, dass wir alle Nachrichten ignorieren sollen.
Es ist wichtig, informiert zu sein.
Doch genauso wichtig ist es, bewusst auszuwählen, womit wir unsere Aufmerksamkeit füttern.
Denn Aufmerksamkeit ist eine der wertvollsten Ressourcen, die wir besitzen.
Und genau deshalb möchte ich eine Frage stellen:
Was ist eigentlich deine Realität?
Unser Gehirn ist nicht auf Glück programmiert
Das klingt im ersten Moment vielleicht seltsam.
Aber unser Gehirn wurde ursprünglich nicht dafür entwickelt, glücklich zu sein.
Es wurde entwickelt, um zu überleben.
Vor Tausenden von Jahren war das ein entscheidender Vorteil.
Damals musste unser Gehirn ständig nach Gefahren Ausschau halten.
Wo könnte ein Raubtier lauern?
Wo könnte etwas passieren?
Was könnte gefährlich werden?
Wer Gefahren früh erkannt hat, hatte bessere Überlebenschancen.
Deshalb besitzt unser Gehirn bis heute einen eingebauten Gefahrenradar.
Psychologen nennen das den Negativitäts-Bias.
Negative Informationen erhalten automatisch mehr Aufmerksamkeit als positive.
Eine schlechte Nachricht bleibt oft länger im Kopf als zehn gute.
Eine Kritik beschäftigt uns oft tagelang, während mehrere Komplimente innerhalb kurzer Zeit wieder vergessen sind.
Unser Gehirn bewertet Gefahr automatisch als wichtiger als Sicherheit.
Das war früher sinnvoll.
Heute führt es jedoch oft dazu, dass wir uns ständig mit Problemen beschäftigen, obwohl wir objektiv betrachtet in Sicherheit sind.
Warum Nachrichten so stark wirken
Medien und soziale Netzwerke arbeiten mit Aufmerksamkeit.
Und Aufmerksamkeit wird häufig durch starke Emotionen ausgelöst.
Die Schlagzeile:
„Heute war ein ruhiger und friedlicher Tag.“
würde vermutlich nur wenige Menschen interessieren.
Die Schlagzeile:
„Experten warnen vor neuer Gefahr!“
zieht dagegen sofort Aufmerksamkeit auf sich.
Nicht weil Menschen schlecht sind.
Sondern weil unser Gehirn darauf programmiert ist.
Angst erzeugt Aufmerksamkeit.
Aufmerksamkeit erzeugt Klicks.
Klicks erzeugen Reichweite.
Dadurch entsteht oft ein verzerrtes Bild der Realität.
Wenn wir täglich hauptsächlich Probleme konsumieren, beginnt unser Gehirn irgendwann zu glauben, dass die Welt hauptsächlich aus Problemen besteht.
Die Welt ist oft nicht so, wie wir sie sehen
Mir persönlich ist das schon mehrmals aufgefallen.
Vor Reisen nach Kroatien habe ich Berichte gehört, die wenig erfreulich klangen.
Als ich dann dort war, mit Menschen gesprochen und das Land erlebt habe, war vieles ganz anders.
Ähnlich ging es mir in Bali.
Vor der Reise hörte ich unterschiedliche Meinungen.
Manche positiv.
Manche negativ.
Doch als ich dort war, die Menschen kennengelernt, das Land erlebt und meine eigenen Erfahrungen gemacht habe, entstand eine ganz andere Realität als jene, die ich vorher teilweise gehört hatte.
Und genau das hat mich wieder daran erinnert:
Zwischen dem, was wir hören, und dem, was wir tatsächlich erleben, liegen oft Welten.
Unser Gehirn erschafft seine eigene Realität
Jetzt kommt ein weiterer spannender Punkt.
Unser Gehirn verarbeitet nicht die Realität.
Es verarbeitet seine Interpretation der Realität.
Das ist ein großer Unterschied.
Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben.
Der eine sieht eine Katastrophe.
Der andere erkennt eine Chance.
Der eine fühlt sich als Opfer.
Der andere sucht nach einer Lösung.
Die Situation ist dieselbe.
Die Bewertung ist unterschiedlich.
Und genau diese Bewertung erzeugt unsere Gefühle.
Deshalb reagieren Menschen auf dieselbe Situation oft vollkommen verschieden.
Warum wir ständig vergleichen
Ein weiterer Mechanismus, der tief in uns verankert ist, ist der Vergleich mit anderen.
Auch das hatte ursprünglich einen Sinn.
Früher war die Zugehörigkeit zur Gruppe Über lebenswichtig.
Wer ausgeschlossen wurde, hatte deutlich schlechtere Chancen.
Deshalb beobachtet unser Gehirn bis heute ständig:
Wie machen es die anderen?
Wo stehe ich?
Bin ich genug?
Gehöre ich dazu?
Das Problem:
Soziale Medien verstärken diesen Mechanismus enorm.
Wir vergleichen unser gesamtes Leben mit den Höhepunkten anderer Menschen.
Wir sehen den Urlaub.
Wir sehen das neue Auto.
Wir sehen den Erfolg.
Wir sehen die schönen Momente.
Doch wir sehen selten die schlaflosen Nächte.
Die Zweifel.
Die Rückschläge.
Die Arbeit im Hintergrund.
Die Verantwortung.
Die Ängste.
Eine persönliche Beobachtung
Nach meinem Monat auf Bali war ich zwei Wochen später in Kroatien.
Eine Aussage habe ich dabei besonders oft gehört:
„Jetzt bist du schon wieder auf Urlaub?“
Und je öfter ich diesen Satz gehört habe, desto spannender fand ich ihn.
Denn ich glaube gar nicht, dass die meisten Menschen das böse meinen.
Ich glaube auch nicht, dass die meisten Menschen einem etwas nicht gönnen.
Viel häufiger steckt etwas ganz anderes dahinter.
Unser Gehirn orientiert sich an dem, was für uns normal ist.
Alles, was außerhalb unserer eigenen Erfahrungen liegt, macht uns zunächst aufmerksam.
Es macht uns neugierig.
Manchmal auch skeptisch.
Für viele Menschen ist ein Monat Bali und zwei Wochen später Kroatien einfach nicht Teil ihrer eigenen Lebensrealität.
Deshalb fällt es auf.
Deshalb wird es kommentiert.
Nicht unbedingt aus Neid oder Missgunst, sondern oft einfach deshalb, weil es nicht dem entspricht, was sie selbst kennen.
Wir Menschen vergleichen neue Informationen automatisch mit unserer eigenen Welt.
Wenn etwas stark davon abweicht, bleibt es hängen.
Genau deshalb sehen manche Menschen zuerst den Urlaub.
Sie sehen die Bilder.
Das Meer.
Die Sonne.
Die schönen Momente.
Was sie meistens nicht sehen können, ist der Weg dorthin.
Die vielen Stunden im Büro.
Die Wochenenden, an denen gearbeitet wird.
Die Verantwortung einer Selbstständigkeit.
Die Unsicherheiten.
Die Entscheidungen.
Die Risiken.
Die schlaflosen Nächte.
Die Investitionen in die eigene Entwicklung.
Interessanterweise habe ich noch nie jemanden sagen hören:
„Jetzt bist du schon wieder arbeiten.“
Dabei passiert genau das deutlich häufiger.
Das zeigt etwas sehr Menschliches:
Wir sehen oft die Früchte eines Baumes, aber selten die Wurzeln darunter.
Und genau deshalb lohnt es sich, vorsichtig zu sein, wenn wir das Leben anderer Menschen beurteilen.
Denn meistens sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt ihrer Realität.
Nie das ganze Bild.
Die wichtigste Frage
Vielleicht geht es deshalb gar nicht so sehr darum, was gerade irgendwo auf der Welt passiert.
Vielleicht geht es vielmehr darum:
Was passiert gerade in deiner Welt?
Was denkst du täglich?
Womit beschäftigst du dich?
Worauf richtest du deine Aufmerksamkeit?
Denn deine Aufmerksamkeit ist wie ein Scheinwerfer.
Das, worauf du ihn richtest, wird größer.
Beschäftigst du dich ständig mit Problemen, wirst du mehr Probleme wahrnehmen.
Beschäftigst du dich mit Möglichkeiten, wirst du mehr Möglichkeiten erkennen.
Nicht weil die Probleme verschwinden.
Sondern weil dein Gehirn beginnt, danach zu suchen.
Was läuft heute gut?
Vielleicht lohnt es sich heute einmal für einen Moment stehen zu bleiben.
Nicht um die Probleme wegzureden.
Sondern um das Ganze wieder vollständig zu sehen.
Bist du heute Morgen aufgewacht?
Konntest du aus dem Bett aufstehen?
Haben sich deine Augen geöffnet?
Funktionieren deine Arme und Beine?
Hast du ein Bett gehabt, in dem du schlafen konntest?
Ein Dach über dem Kopf?
Sauberes Wasser?
Etwas zu essen?
Menschen, die dich mögen?
Wenn es draußen regnet und kalt ist, dürfen wir uns vielleicht auch daran erinnern, wie schön es ist, ein warmes Zuhause zu haben.
Viele Menschen auf dieser Welt würden sich genau das wünschen.
Und doch nehmen wir es oft nicht mehr wahr.
Wir schauen so häufig auf das, was fehlt, dass wir vergessen zu sehen, was bereits da ist.
Mein persönliches Fazit
In meiner Arbeit mit mittlerweile weit über tausend Menschen sehe ich immer wieder dasselbe Muster:
Menschen verändern ihr Leben selten dadurch, dass sich die Welt verändert.
Menschen verändern ihr Leben dadurch, dass sich ihr Blick auf die Welt verändert.
Die Realität da draußen ist wichtig.
Aber noch wichtiger ist die Realität in deinem Inneren.
Denn dort entstehen deine Gefühle.
Deine Entscheidungen.
Dein Selbstvertrauen.
Deine Hoffnung.
Und letztendlich das Leben, das du führst.
Deshalb frage ich dich heute:
Worauf richtest du deine Aufmerksamkeit?
Denn genau dort entsteht deine Realität.
Und vielleicht lohnt es sich heute, für einen Moment bewusst hinzuschauen, was in deinem Leben bereits gut ist.
Denn oft ist das Gras beim Nachbarn nicht wirklich grüner.
Wir sehen nur meistens nicht, wie viel Schönes bereits auf unserer eigenen Seite wächst.
Herzlichst,
Thomas Schwabl
Dipl. Hypnotiseur & Dipl. Humanenergetiker
📞 +43 664 9975013




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